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Für die meisten war 2020 ein verlorenes Jahr. Ich möchte den Fokus daher auf ein paar positive Aspekte und Lichtblicke richten. Manche davon haben das Potenzial auch langfristig positive Auswirkungen zu haben.

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Ende 2019 war man noch der Ansicht, dass 2020 ein Spitzenjahr werden würde. Nun, es ist anders gekommen. Aber 2020 als «the worst year ever» zu betiteln, wie es das Time Magazine machte, wirkt medial recht übertrieben.

Ein Blick in die Geschichte hilft: fast jedes Jahr im 14. Jahrhundert war vermutlich schwieriger: Innerhalb von fünf Jahren starben an der Pest ca. 30%–50% der europäischen Bevölkerung. Oder das 19. Jahrhundert: Sklaverei, US-Bürgerkrieg mit der Cholera-Pandemie 1863. Auch im 20. Jahrhundert gab es wesentlich schlimmere Jahre; man denke nur an die beiden Weltkriege und deren Gräuel.

Klar, 2020 wird nicht in die Geschichte der besten Jahre eingehen, dennoch gab es auch einige erfreuliche Dinge zu verzeichnen:

1. Open Science / Access

Die Zusammenarbeit und Open Science/Access erhielten bei der Erforschung von Covid-19 eine neue Dynamik und dürften auch ausserhalb von Krisenzeiten wegweisend sein.

2. Wertschätzung

Inmitten der Krise haben wir erst richtig gemerkt, wie wichtig manche Berufe für die Aufrechterhaltung unseres Alltages sind, z.B. die Apothekerin, der Krankenpfleger oder auch der Verkäufer im Supermarkt (WC-Papier) erhielten deutlich mehr Wertschätzung und Anerkennung.

3. CO2-Emissionen

Auch wenn der Effekt nur kurzfristig wirkte, so hat der Lockdown im Frühling gezeigt, wie stark die Mobilität auf den CO2-Ausstoss und damit aufs Klima wirkt. Muss man wirklich dreimal im Jahr eine Fernreise machen? Muss man für Geschäfte immer gleich anreisen oder reicht nicht auch ein Video-Call? Was uns zum nächsten Punkt bringt:

4. Remote Work / Home-Office

Auch wenn die persönlichen Meinungen zum Home-Office je nach Aufgaben und Lebenssituation auseinandergehen, so hat 2020 doch gezeigt, dass auch ohne langes Diskutieren für viele Arbeitnehmende «remote» zu arbeiten problemlos möglich ist und sich sogar Vorteile ergeben. Dazu gehört: Kein Arbeitsweg, höhere Effizienz, weniger Stress, höhere Zufriedenheit und weniger Ablenkung. Es bleibt zu hoffen, dass die positiven Elemente über die Krise hinaus wirken und wer möchte und kann auch danach zu einem substanziellen Anteil «remote» arbeiten kann.

5. Meetingkultur

Sind wir ehrlich: Auch heute noch sind viele Meetings Zeitfresser, die den meisten Beteiligten – zumindest gefühlt – keinen grossen Nutzen bringen. Das hat auch mit den Settings zu tun, die oftmals noch an den militärischen Vorgänger des Rapports erinnern. Agile Teams haben mittlerweile Formen gefunden, die den Nutzen für alle Beteiligten enorm verbessert haben…dazu ein anderes Mal mehr. Jedenfalls ist die Zahl und die Dauer der Meetings massiv gesunken und – wer hätte es gedacht? – das System funktioniert trotzdem.

6. Wert der Bildung

Die meisten, die in den «Genuss» von Homeschooling gekommen sind, dürften wohl überrascht gewesen sein, wie anstrengend und aufwändig es ist, Kinder zu unterrichten. Damit ist die Wertschätzung (vgl. 2.) für die Lehrpersonen gestiegen, die sich täglich um die Kleinen (oder auch grösseren) kümmern. Aber auch, dass eben nicht nur das «Endprodukt Bildung» (gibt es eigentlich im Lebenslangen Lernen ja nicht), sondern vor allem der Lernprozess für die Familien und auch die Gesellschaft einen wichtigen Stellenwert hat.

7. Digitale Lehre

Digitales Lehren und Lernen hat im 2020 wohl den grössten Boost seiner Geschichte erfahren. Die notfallmässige Umstellung auf Distance Learning hat zwar nicht das volle Potenzial der digitalen Lehre entfalten können (es gibt noch viel zu tun), aber bisher nicht gross mit dem Thema vertraute Lehrende haben sich plötzlich auch damit beschäftigt oder beschäftigen müssen. Gemäss einer BFH-Umfrage haben sich die meisten sogar mit Distance Learning anfreunden können.

8. Nachfrage nach Bildungsangeboten

2020 hat vielen vor Augen geführt, dass eine gute Ausbildung wichtig ist. Dennoch nahmen die Bildungsaktivitäten nicht überall zu, obschon man das vermuten würde. Die Situation ist komplizierter: Während die Hochschulen für ihre Studiengänge Rekord-Anmeldezahlen verzeichnen*, haben in der gleichen Zeit die Weiterbildungsaktivitäten in der Schweiz abgenommen, wie man beim SVEB nachlesen kann. Dies lag aber nicht an zu geringer Nachfrage, sondern weil Präsenzunterricht verboten war und die Anbieter offensichtlich nicht rasch genug Distance Learning Angebote zur Verfügung stellen konnten.
*(z.B. PHZH, Unibas wie auch die BFH mit gut 7700 Studierenden gegenüber 6979 im Vorjahr)

9. Virtuelle Akademie

Noch einen Blick nach Innen: Im Projekt «Virtuelle Akademie» sind wir seit Mitte 2020 ein gutes Stück vorwärts gekommen: Wir haben Stakeholderanalysen durchgeführt, Kompetenzframeworks analysiert, Personas skizziert, Dozierenden-Interviews und Online-Befragungen durchgeführt sowie User Journeys entwickelt. 2020 hat gezeigt, wie wichtig es ist, die digitalen Skills der Lehrbeteiligten voranzubringen, OER zu fördern und die digitale Lehre als einen festen Bestandteil der Lehre zu sehen. Das hat unser Team noch mehr motiviert, für die Virtuelle Akademie alles zu geben.

Und 2021?

Wie so oft, wird 2021 bereits als Jahr, in dem alles besser wird, gehandelt. Persönlich bin ich skeptisch. Grundlegende Veränderungen brauchen Zeit und Prognosen sind ohnehin fast immer falsch, wie das obige Bild ja zeigt. Dennoch dürfen wir vorsichtig optimistisch sein und darauf hoffen, dass wir die positiven Aspekte aus dem 2020 mitnehmen und weiterführen können und natürlich, dass wir die Virtuelle Akademie Mitte Jahr voll ausgerollt haben werden.

Welche positiven Aspekte habt ihr im turbulenten 2020 ausmachen können? Lasst es uns in den Kommentaren wissen. Ansonsten schon mal mal einen guten Start!

Cover-Bild Quelle: Photo by Kelly Sikkema on Unsplash

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