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Genug von Distance Learning, Homeoffice und Videocalls? Warum in der Post-Coronazeit eine Rückkehr zum Prä-Coronamodus keine gute Idee ist.

Wem ging es in den letzten Wochen zwischendurch nicht so? Distance Learning, Homeoffice und Videocalls hat man nun langsam über. Dazu immer die gleiche – nämlich die eigene und dazu als Abwechslung Outdooraktivitäten bei Dauergrauwetterlage. Da sehnt man sich rasch wieder etwas mehr Normalität herbei. Doch was würde Normalität in einer Post-Coronaära bedeuten? Alles wie zuvor?

Von der Komfortzone ohne Halt bis zur Panikzone

Da kommt die Komfortzone ins Spiel… da tingelten wir vor der ersten Welle zumeist herum. Die Komfortzone geniesst trotz ihres Namens einen nicht allzu guten Ruf. Sie steht für wenig Dynamik und Bequemlichkeit. Wobei das mit der Bequemlichkeit so eine Sache ist. Die Komfortzone muss nicht zwangsläufig angenehm und bequem sein…im Gegenteil. Sie bedeutet für viele den gewohnten Gang der Dinge ohne neue Impulse, in einem bekannten Umfeld mit wiederkehrenden Aufgaben (Langeweile?). In Bezug auf die Digitalisierung der Lehre hiesse dies, dass sie vor Corona einen gemächlichen Gang ging und sich vor allem die Innovators und Early Adopters vertieft damit befassten und alle anderen nur punktuell.

Das änderte sich schlagartig, als zuerst während der ersten Welle und später dann auch der zweiten Welle Distance Learning die neue Norm wurde.

Die Dozierendenbefragung an der BFH wie auch die geführten Interviews zeigten auf, dass viele aus der Komfortzone direkt in die Panikzone katapultiert wurden. Dies bestätigen auch immer wieder Anfragen die bei der HdEL (welche bald einen neuen Namen erhalten wird, der an dieser Stelle aber natürlich nicht verraten wird) eingehen.

Zu Recht wirst du dich Fragen: “Aber es muss doch noch was zwischen der Komfortzone und der Panikzone geben!” Genau. Die Entwicklungs- bzw. Lernzone. Machst du einen überlegten Schritt aus der Komfortzone, befindest du dich meist in der Entwicklungszone. Ist der Schritt jedoch sehr gross oder kommt er ungeplant, dann landest du unversehens in der Panikzone und fühlst dich gestresst, überfordert und unsicher.

Das 3-Zonenmodell

Das ist der Moment, uns kurz über das 3-Zonenmodell zu unterhalten: Es ist ein Modell, das in der Erlebnispädagogik regelmässig zum Einsatz kommt. Es geht darum zu verstehen, in welchen Situationen wir am besten lernen und uns weiterentwickeln können.

3-Zonenmodell

In welchen Situationen sich nun jemand in einer bestimmten Zone befindet, hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel vom Wissens- und Kompetenzstand, aber auch von Persönlichkeit, Haltungen und Befindlichkeiten. So ist eine Umstellung auf Distance Learning für einige immer noch Komfortzone, für andere ist es der Schritt in die Entwicklungszone und für wieder andere halt direkt der Sprung in die Panikzone. Wer mehr zum 3-Zonenmodell wissen möchte, kann sich hier umsehen.

Und nun? Zurück in die Komfortzone?

Wenn wir uns in der Panikzone wiederfinden, ist es unser natürlicher Reflex, uns möglichst rasch in die ruhigen Gewässer der Komfortzone zurückzuwünschen. In Bezug auf Corona und Distance Learning würde das heissen: Zurück zur klassischen Präsenzlehre. Dass dies gefährlich wär, zeigt die momentane Situation sehr gut: Reine Präsenz ist ein vulnerables Modell bei einer Pandemie. So sind klassische Weiterbildungsangebote gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte eingebrochen. Und wer garantiert uns, dass nicht schon heute das nächste Virus auf der Reise in der globalisierten Gesellschaft unterwegs wird? Dass eine Eingrenzung nicht gelingt, hat Corona eindrücklich demonstriert.

Besser wäre es also, den Weg in die Entwicklungszone zu suchen. Im laufenden Spiel des Distance Learnings ist dies nicht so einfach. Wichtig ist jedoch, sobald wieder die Möglichkeit von Präsenzveranstaltungen da sind, sich bewusst und in die Lernzone zu begeben und das Beste (= wirksamste) des Distance Learnings mit den Stärken der Präsenz zu verbinden. Und wo landen wir da? Richtig, im Blended Learning!

Viele Dozierende bestätigen denn auch, dass sie trotz des zeitweiligen Aufenthalts in der Panikzone während der Coronasmester viel Neues zum digitalen Lehren und Lernen gelernt hätten. Diese Erkenntnisgewinne sollen nicht für nichts gewesen sein, sondern können in einem neuen Normalmodus direkt in die Entwicklung von lernwirksamen Blended Learning Szenarien einfliessen.

Somit sieht die angepasste Version des 3-Zonenmodells in Post-Corona so aus:

3-Zonenmodell adaptiert

Längerfristig würde Blended Learning dann zur Komfortzone werden…

Die BFH ist meines Erachtens eine Multi-Tempi-Organisation, in der die verschiedenen Departemente, Studiengänge, Modulverantwortliche und Dozierende sehr unterschiedliche Tempi in der Weiterentwicklung ihrer Lehre an den Tag legen. Diesem Umstand dürfen wir nicht vergessen und auch die Virtuelle Akademie wird für die entsprechenden Tempi und Kompetenzstufen Angebote bereitstellen.

Und wie war das noch mit Goldilock und Sweet Spot?

Goldilock und Sweet Spot

Das Goldlöckchen-Prinzip wurde in Anlehnung an die Kindergeschichte “Die drei Bären” benannt, in der ein Mädchen namens Goldlöckchen in der Bärenhöhle drei verschiedene Schüsseln mit Brei probiert und feststellt, dass sie Brei bevorzugt, der weder zu heiss noch zu kalt ist. Das Konzept der “genau richtigen Dosis” hat daher Eingang in viele Disziplinen gefunden, darunter Entwicklungspsychologie, Biologie, Astronomie, Wirtschaft und Technik. In der Astronomie bezeichnet die Goldilock Zone beispielsweise die bewohnbare Zone von Planeten, in der es weder zu heiss noch zu kalt ist, damit Leben entstehen kann.

Auch der Sweet Spot bezeichnet etwas ähnliches: Beispielsweise beim Sport, beispielsweise die richtige Dosis Training zum richtigen Zeitpunkt führt zu Wachstum und Verbesserung.

Genau da wollen wir in der digitalen Lehre auch nach Corona hin: Die richtige Dosis, im passenden Tempo, mit dem klaren Anspruch, lernwirksam, adaptiv und innovativ zu sein.

Und wie geht es euch?

Wie kommt ihr im Moment zurecht? In welcher Zone seid ihr unterwegs? Welche Strategien habt ihr entwickelt? Wie sieht euer Sweet Spot aus?
Schreibt es gerne in die Kommentare.

“Post-Corona” bzw. Nach Corona: Wird hier übrigens verstanden als die Zeit, in der dank verschiedener Strategien (z.B. Impfungen) eine weitgehende Herdenimmunität erreicht ist und die meisten Aktivitäten wieder möglich sind, welche momentan nicht zugelassen sind. Und nicht etwa eine Zeit, in der es kein Covid-19 oder dessen Mutationen mehr gibt.

Quelle Beitragsbild: Photo by NASA on Unsplash

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