Anerkennung

Kritische Lebenskonstellationen müssen als soziale Probleme anerkannt (und nicht dem Einzelnen angelastet) werden, damit sie thematisiert werden können. Von Sozialarbeitenden fordert das Konzept, dass sie erkennen und akzeptieren können – was nicht mit gutheissen gleichgesetzt wird –, dass das Verhalten, wie es Klientinnen und Klienten zeigen, das derzeit oftmals einzige Mittel der Bewältigung darstellt und damit für diese positiv besetzt ist. Böhnisch beschreibt, dass es einen Unterschied macht, ob ich im Rahmen der Familienhilfe anerkennen kann, dass es eine Familie in den letzten Jahren geschafft hat, trotz widrigster Bedingungen über die Runden zu kommen, oder ob ich diese bloss als desorgansiert und dysfunktional betrachte (2016a, S. 99).

Abhängigkeit

Sozialarbeitende sollten auch die Hilflosigkeit erzeugenden Abhängigkeitsverhältnisse Betroffener mitberücksichtigen (Böhnisch, 2016a, S. 95). Dazu gehört auch die Soziale Arbeit selbst: Klientinnen und Klienten sollten „nicht als Fürsorgeobjekte behandelt werden, die lernen sollen, Hilfen anzunehmen und sich interventionsgerecht zu verhalten, sondern sie sollen die Chance und den Raum haben, ihr Bewältigungsbemühen als eigene biografische Leistung zu betrachten und diese auch sozial – nicht nur fachlich – anerkannt zu bekommen. Hier nimmt die Strategie des Empowerment eine Dimension an, die weit über das Fachliche hinausgeht“ (ebd., S. 100). Mit dieser Strategie zielt die Sozialarbeit auf die Aufhebung von Abhängigkeit und auf Selbständigkeit.

Ausdruck (Thematisierung)

Wenn Bewältigungslagen nicht thematisiert und ausgedrückt werden können, entsteht Abspaltungsdruck. „Seine Betroffenheit aussprechen, thematisieren zu können und darin sich aus seinem Ausgesetztsein, seiner Ohnmacht lösen und sich zu anderen in Beziehung setzen zu können, nicht mehr unter dem Druck zu stehen, es antisozial oder autoaggressiv abspalten zu müssen“ (Böhnisch, 2016a, S. 95), ist ein Ziel sozialarbeiterischer und -pädagogischer Intervention. Es geht um die Wiedergewinnung innerer Autonomie durch das Medium der Sprache (ebd., S. 96).

Aneignung

„In der sozialräumlichen Dimension interessieren vor allem auch die sozialräumlichen Aneignungsmöglichkeiten und -verwehrungen als Bedingungen erweiterter Handlungsfähigkeit“ (Böhnisch, 2016a, S. 95). Weiter schreibt Böhnisch, dass sich in Räumen Gesellschaftliches auf besondere Weise abbildet und dass diese Orte erst durch die Menschen, die in ihnen tätig werden, zu Sozialräumen werden (ebd., S. 101). Das auf „Aneignung“ bezogene Ziel Sozialer Arbeit ist die sozialräumliche Erweiterung der Bewältigungslagen von Klientinnen und Klienten, dass sie also auch nicht im Abhängigkeitsverhältnis mit der Sozialen Arbeit stecken bleiben, sondern selbst erweiterte Zugänge zu Hilfebeziehungen und Anschluss an lokale Netzwerke erhalten (ebd., S. 103).