Rekonstruktive Soziale Arbeit


Das Spezifische der RSA liegt in ihrem theoretisch fundierten und produktiven Verstehensbegriff, der praxisnah ausbuchstabierten Methode narrativer Gesprächsführung, der Möglichkeiten, Erkenntnisse auf struktureller Ebene zu gewinnen und damit oberflächlich wahrnehmbare Phänomene in ihren Zusammenhängen zu sehen, ihrem theoretisch und methodisch fundierten Bestreben, gerade auch bei eingespielten oder festgefahrenen Problemsichten und Problembearbeitungen Neues zu entdecken, sowie nicht zuletzt in ihren theoretischen und methodischen Angeboten zur (Selbst-)Reflexion, die dazu anleiten, Problemstellungen, Feld- und Fallkonstruktionen, Arbeitsbögen, Aktenführung, Dokumentationsformen sowie Frage und Interventionsformen zu überprüfen, um z. B. aus Krisen, Sackgasse oder Abbrüchen zu lernen (Völter, 2015, S. 253–254).


WIE KANN MAN (BESSER) VERSTEHEN?

Das verstehende Paradigma

Unter der Theorielinie „Rekonstruktive Soziale Arbeit“ (RSA) sammeln sich verschiedene thematische Fokussierungen, Professionsverständnisse sowie Forschungs- und Praxismethoden. Im Zentrum stehen das Fremdverstehen und das Selbstverstehen (Völter 2017, S. 21). Verstehen wird als Nachvollziehen subjektiver Sichtweisen sowie sozialer Prozesse verstanden. Zentral sind dabei der Einsatz und die praxisorientierte Anpassung qualitativer Forschungsmethoden zur Erkenntnisgewinnung sowie die Fallorientierung. RSA geht konsequent der Frage nach, wie gesellschaftliche Strukturen und Prozesse beschrieben und verstanden werden können. Diese werden nach Erving Goffman (1986, 2016) in jeder Situation als eine konkrete soziale Wirklichkeit fortlaufend von den beteiligten Personen gemeinsam hergestellt. In der RSA werden mit verschiedenen Ansätzen systematisch Situationen als Entstehungsprozesse des Sozialen sowie die biografisch entwickelten Handlungs- und Deutungsmuster der beteiligten Personen rekonstruiert. Diese verschiedenen Ausprägungen innerhalb der RSA orientieren sich an denselben theoretischen Traditionslinien: an der Fallorientierung in der Sozialen Arbeit, der Hermeneutik und dem Interpretativen Paradigma (vgl. die sogenannte Chicagoer Schule). Gemeinsam ist den Ansätzen der RSA, dass sie die Eigenlogik eines Falles rekonstruktionslogisch analysieren, also sozusagen aus der „Froschperspektive“ heraus, statt subsumtionslogisch zu interpretieren, also über vorgegebene Kategorien aus der „Vogelperspektive“ heraus. Der Rekonstruktionsprozess in der Sprache des Falles wird Induktion genannt und kann als spiralförmiger Erkenntnisprozess dargestellt werden.

In der RSA lassen sich vier Stränge ausmachen, die dynamisch (spiralförmig) miteinander verwoben sind.

  1. Forschung
    Die Nutzbarmachung qualitativer Forschungsmethoden für die professionelle Praxis
  2. Selbstreflexion
    Die systematische Reflexion der eigenen professionellen Praxis
  3. Praxis
    Die Interaktionen und Arbeitsweisen mit der Klientel
  4. Theorie
    Die wissenschaftliche Weiterentwicklung der Sozialen Arbeit aus den Erkenntnissen der Praxis und Forschung (Theoriebildung und Professionalisierung)

Diese vier Stränge der RSA stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern beeinflussen sich wechselseitig und fortlaufend. Dies hat damit zu tun, dass die im Kern der Spirale stehenden Forschungs- und Praxismethoden die Weiterentwicklung der Sozialen Arbeit als professionelle Selbstreflexion, als Handlungspraxis und als Wissenschaft permanent vorantreiben. Dabei werden zwei zentrale Kompetenzen gefördert: ethnografische Kompetenz und Bildung (siehe Grafik).

Abbildung 1: Titel der Abbildung, adaptiert von Völter (2008, o. S.).
http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/rt/printerFriendly/327/715

Die ethnografische Kompetenz steht für das Selbst- und Fremdverstehen, die Habitusbildung der Alltagsmenschen, der professionellen Sozialen Arbeit und der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen einer sozialarbeiterischen Disziplin. Was rekonstruktiv arbeitende Professionelle Sozialer Arbeit ausmacht, ist ein forschender, permanent selbstreflexiver Blick auf Fälle und die eigenen Handlungen. Diese rekonstruktiven Kompetenzen werden als Wissen aus der Praxis für die Praxis nutzbar gemacht: So entsteht ein besseres Verständnis für die eigene Praxis, für Interaktionsprozesse mit Adressatinnen und Adressaten Sozialer Arbeit sowie für generelle gesellschaftliche und individuelle Phänomene, das nutzbar gemacht wird.


Die theoretischen Grundlagen: Was leitet den Blick?

Rekonstruktive Soziale Arbeit geht davon aus, dass das theoretische Wissen den verstehenden Blick leitet. Die „Architektur“ der RSA baut auf folgenden Elementen auf, die im Folgenden dargelegt werden.

Krise und Routine: Was ist hier der „Fall im Fall“?

RSA interessiert sich für Krisen, die Menschen nicht mehr selbst bewältigen können. „Krise“ wird dabei nicht psychologisch, sondern soziologisch betrachtet und als Gegensatz zum Begriff der Routine aufgefasst: Der Mensch fällt aus gewohnheitsmässig angeeigneten Routinen heraus, bisherige Handlungsmuster bewähren sich nicht mehr. Werden diese (wieder) erworben, stellt sich eine (neue) Routine ein (Kraimer, 2014). Dabei kann es sich um Entwicklungskrisen (beispielsweise Pubertät, Adoleszenz, Pensionierung etc.) oder kollektive gesellschaftliche Krisen (beispielsweise die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA, Atomkraftwerkkatastrophe, Kriege etc.) oder individuelle kritische Lebensereignisse (wie Todesfall eines Elternteils, Scheidung, Arbeitslosigkeit etc.) handeln. Soziale Arbeit setzt dann ein, wenn der Alltag nicht bewältigt werden kann und neue Bewältigungsstrategien fehlen. Dementsprechend orientiert sie sich am Fall. „Ich gehe da von einem Fall aus“ (Gildemeister & Robert, 1997). Den Begriff Fall definiert Kraimer im Anschluss an Plügge auch nach seiner etymologischen Bedeutung Falle. Somit beinhaltet der Terminus verschiedene nicht voneinander trennbare Aussagen: Ein Mensch fällt, er kommt zu Fall, er bringt sich zu Fall, er gerät in eine Falle, er muss für etwas büssen, etwas ausbaden. Der Fall ist mit der Umwelt des Betroffenen durch dessen aktives Tun und passives Erleiden verflochten. Jeder Fall hat eine Geschehens- und Leidensgeschichte mit einer jeweiligen Vorgeschichte. Dabei ist jeder Fall zugleich exemplarischer Natur: „In Fällen, die in ihrer Konkretion zwar nicht vollständig abbildbar sind, zeigt sich stets etwas Welthaftes, Lebensweltliches und Exemplarisches, welches situativ zum Ausdruck gelangt und durch kasuistische Studien erschlossen werden kann“ (Kraimer, 1994, S. 100). „Ein Fall ist eine Konstruktion, die angesiedelt ist auf einem gedachten Kontinuum zwischen Allgemeinem und Besonderem und beide Elemente in einer zu bestimmenden Weise enthält. Eine Fallstudie ist demnach nur dann eine Fallstudie, wenn es gelingt, das zugrundeliegende Material so zu konstruieren, dass eine Angabe auf diesem Kontinuum möglich ist“ (Peter, 1986, S. 23).

Denken und Handeln: Warum kann man die Eigenlogiken des Falls rekonstruieren?

Rekonstruktive Soziale Arbeit geht davon aus, dass die soziale Wirklichkeit in Interaktionen gemeinsam hergestellt wird und alles Soziale prozesshaft verläuft. Das heisst: Als handelndes Subjekt gestaltet der Mensch in Interaktionen und über Kommunikationen die Wirklichkeit fortlaufend mit anderen Subjekten zusammen. Hier zeigt sich ein Bezug zur Lebensweltorientierung. Die RSA geht dabei davon aus, dass sich Denken und Handeln in eigenen sinnhaften Logiken prozesshaft etablieren und in Form von Strukturen und Mustern beschrieben werden können. Diese (sozialen, sprachlichen, phrasierenden etc.) Logiken werden in Interaktionen erzeugt und über Sprache vermittelt. Wie Individuen, Gruppen und Sozialräume ihre jeweilige soziale Wirklichkeit biografisch und situativ (alltäglich) gestaltend strukturieren, kann analysiert werden, indem man die Beobachtung und Narrationen interpretiert. Deshalb kann die Wirklichkeit rekonstruiert werden, indem die Strukturen, Prozesse und Muster einer Biografie, einer Entwicklung oder eines Alltags etc. nach bestimmten Prinzipien in ihrer Eigenlogik entschlüsselt werden.

Rekonstruktion der Eigenlogiken des Falls: Wie kommt eins zum anderen?

Ziel der Rekonstruktiven Sozialen Arbeit in Disziplin und Profession ist es, die spezifische Eigenlogik des Falls zu rekonstruieren. Dabei geht darum, beschreibend und verstehend jede vorwegnehmende Bewertung zu vermeiden und herauszufinden, wie „eins zum anderen“ gekommen ist.
Rekonstruktionen sind demnach wissenschaftliche Methoden, die die Eigenlogik von Strukturen und Prozessen erforschbar machen. Abkürzungsverfahren dieser forschungsgenerierten Methoden können für die Praxis nutzbar gemacht werden (zum Beispiel narrativ-biografische Gesprächsführung, Lebenswelt- und Alltagsanalyse, Arbeitsbündnis, wirkungsorientierte Evaluation etc.). Auf diesem Weg werden Phänomene verstanden (verstehendes Paradigma). Dabei werden soziale Phänomene und Prozesse sichtbar, die der alltäglichen Aufmerksamkeit bestimmten Handlungen gegenüber oft entgehen. Die RSA bietet deshalb eine Möglichkeit, die untersuchten Phänomene selbst zur Sprache zu bringen und auf vorgefertigte Interpretationsschemata zu verzichten (Schweppe & Grasshoff, 2006, S. 192).

Soziale Situationen als Ausgangspunkt: Was geht hier eigentlich vor?

Eine Situation in der Sozialen Arbeit ist die kleinste soziale Grösse, in der soziale Realität hervorgebracht wird (Goffman, 1986). Eine soziale Situation, beispielsweise ein professionelles Gespräch einer oder eines Professionellen Sozialer Arbeit mit einem Kind im Rahmen der Schulsozialarbeit, ist somit zugleich die kleinste Grösse der Herstellung von Gesellschaft: In der Interaktion zwischen der Fachperson und dem Kind kommen komplexe Logiken zum Tragen:

  • Logiken des Alltags eines Jungen, wie er ihn subjektiv erlebt (zum Beispiel Verhaltensveränderung in der Schule und sein Erleben zu Hause),
  • Logiken der (interdisziplinären) Einbettung des Sozialarbeiters in die Institution als Rahmen, der zu einem bestimmten Handeln der Beteiligten auffordert,
  • Logiken der gesellschaftlichen Fokussierung auf Themen (zum Beispiel Kindeswohl).

Solche Situationen sind laut RSA alles andere als trivial, sondern konkret und komplex, denn hier treten verschiedene Apsekte miteinander in Beziehung:

  • eine Klientel (Personen, Zielgruppen, Sozialräume) mit eigener Lebensgeschichte, Lebensführung und Lebensbewältigung bei sozialen Problemen,
  • Professionelle Sozialer Arbeit mit unterschiedlichen (Berufs-)Biografien,
  • Organisationen, in denen Rahmenbedingungen als Interaktionen und Kommunikation zwischen verschiedenen institutionellen Ebenen und Berufsgruppen direkt (wie hier) oder indirekt (wie im späteren Filmausschnitt) einwirken,
  • gesellschaftliche Werte und Normen, die über Zeitgeistthemen (zum Beispiel Ökonomisierungsdruck), Gesetzgebungen (mit unterschiedlichen Handlungsspielräumen) oder institutionellen Aufträgen wirksam werden.

Um zu verstehen, was in einem spezifischen Fall „eigentlich vorgeht“, muss man die verschiedenen Logiken in ihrer komplexen Verschränkung erfassen und zu verstehen versuchen.

Theorie–Praxis–Bezug: Wissen Professionelle, wie sie Denken und Handeln verknüpfen?

Rekonstruktive Soziale Arbeit beschäftigt sich mit der Sozialen Arbeit als Profession und als wissenschaftliche Disziplin. Geht man davon aus, dass die Profession der Sozialen Arbeit und die Disziplin der Sozialen Arbeit zu unterscheiden sind, kann die Profession folgendermassen definiert werden: „Der Gegenstand der Sozialen Arbeit ist die Bearbeitung gesellschaftlich und professionell als relevant angesehener Problemlagen“ (Klüsche, 1999, S. 45). „Die Wissenschaft der Sozialen Arbeit ist die Lehre von den Definitions-, Erklärungs- und Bearbeitungsprozessen gesellschaftlich und professionell als relevant angesehener Problemlagen“ (ebd., S. 50). Die RSA nimmt beide in den Fokus und strebt die Weiterentwicklung beider an. Sie kann als Theorielinie beschrieben werden, die aus der Sozialen Arbeit für die Soziale Arbeit qualitative Forschungsmethoden für die Praxisentwicklung, die Professionsentwicklung und für die Theoriebildung nutzbar macht. Dementsprechend ist der Theorie-Praxis-Bezug in der RSA zentral, da Forschungsmethoden dazu dienen werden, den forschenden Blick gewissermassen in einem ‚Abkürzungsverfahren’ zu nutzen, um alle Akteure eines Falls in ihrem gesellschaftlichen Kontext besser verstehen zu können und darüber Handlungsalternativen und Wandlungsprozesse anregen und begleiten zu können. In der Frage, „Wie ist eins zum anderen gekommen?“, steckt die Antwort, wie die Situation in diesem konkreten Fall entstanden ist. Ziel ist es, aus diesem besseren Verstehen keine blossen Lösungen anzubieten, sondern langfristig wirkende Wandlungsprozesse anzuregen, zu unterstützen und zu begleiten. Da sich die oder der Professionelle immer als „Fremde oder Fremder“ im Leben anderer Personen versteht, ist darüber hinaus die Selbstreflexion der eigenen professionellen Praxis und der Forschung zentral.

Dazu brauchen Professionelle der RSA zentrale Deutungskompetenzen, um

  1. die gesellschaftlichen Kontextdaten zu berücksichtigen,
  2. die subjektive Sicht der Personen einzubeziehen,
  3. prozesshaft zu denken, und zwar erstens die Biografie der Personen (Klientel einerseits, Professionelle andererseits), zweitens die Wirkung von Institutionen und organisatorischen Abläufen (zum Beispiel Heimkarrieren), drittens Interventionen als Interaktions- und Kommunikationsprozesse zu verstehen, die sich fortlaufend weiterentwickeln,
  4. das eigene professionelle Handeln fortlaufend methodisch angeleitet zu reflektieren (ethnografische Kompetenz).

Ethische Grundlagen: Woran orientiert man sich?

Die RSA verfolgt das Ziel einer emanzipatorischen und selbstreflexiven Sozialen Arbeit, die sich an den Subjekten und Lebenswelten orientiert. Es geht darum, besser zu verstehen, was „der Fall“ ist, und zwar unter Einbezug der gesellschaftlichen Kontexte sowie der Biografien der Adressaten und Adressatinnen. Es geht darum, Menschen „ganzheitlich wahrzunehmen und ihnen ein Selbstverstehen und ein selbstverantwortliches Handeln zu erleichtern. Zudem geht es aber auch darum, die Selbstreflexion der eigenen professionellen Praxis zu ermöglichen“ (Völter, 2008, S. 13). Eine solche Ethik wird insbesondere in den Professionsverständnissen des Dienstleistungsideals nach Erving Goffman, in der stellvertretenden Krisenbewältigung nach Ulrich Oevermann und in den Paradoxien professionellen Handelns nach Fritz Schütze berücksichtigt und ist für die RSA wegleitend.

Gemäss Kraimer (2014, S. 86–90) stellt die Herstellung von Autonomie eine zentrale Orientierung der RSA dar – für die Klientel, die Profession und die Disziplin

  • Die Logik der RSA zielt auf die realitätsnahe Aufdeckung von Optionen zur autonomen Lebensgestaltung für die Klientel;
  • das Prinzip der stellvertretenden Krisenbewältigung führt zur Professionalisierung der Fachkräfte;
  • die RSA dient der Förderung autonomen Denkens und Handelns in Disziplin und Profession.

Die qualitativen Forschungsverfahren dürfen deshalb nicht zur Entmächtigung von Subjekten eingesetzt werden. Es geht daher nicht darum, stellvertretend zu handeln oder expertenhaft Diagnosen zu erstellen. Vielmehr geht es um die gemeinsame interaktive Erkenntnisbildung, die zusammen mit der Klientel erarbeitet wird (Völter, 2008; Riemann, 2000). Die RSA distanziert sich nicht nur von normativen Beurteilungen, sondern versucht auch, Handlungs- und Sozialisationsverlauf im Kontext der Lebenswelt zu verstehen (Völter, 2015, S. 257).


WISSEN PROFESSIONELLE, WAS SIE (NICHT) TUN?

Prozess- und Arbeitsbogen Sozialer Arbeit

Angelehnt an Anselm Strauss, geht die Rekonstruktive Soziale Arbeit davon aus, dass Professionelle einem Prozess- beziehungsweise Arbeitsbogen folgen. Das heisst, dass sie weniger die Inhalte der Hilfeleistung bestimmen, sondern vor allem den Prozess in systematischen Schritten und Phasen mit Berücksichtigung der Interaktion und Kommunikation zwischen den Professionellen und der Klientel gestalten.
Die RSA orientiert sich am klassischen Phasenmodell der Anamnese – Diagnose – Intervention – Evaluation (Müller, 2006), auch wenn sie die einzelnen Phasen mit anderen Begriffen und Modellen benennt. So wird von Fallanalyse, Fallbestimmung, Arbeitsbündnis und Wirkungsorientierung gesprochen.

Anamnese – Fallanalyse

In der Anamnese wird folgender Frage nachgegangen: Was ist biografisch beziehungsweise historisch zu berücksichtigen, um die aktuelle Situation einer Person, eines Paares, einer Familie, einer Gruppe oder eines Sozialwesens zu verstehen?
Nach Wyssen-Kaufmann zielt die „Anamnese auf das Insgesamt der Erkenntnisbemühungen zur Vorgeschichte und derzeitigen Situation eines zu untersuchenden Falles“ (2015, S. 423). Um die Gesamtheit anamnestischer Erkenntnisbemühungen zufriedenstellend zu rekonstruieren, sollte einem analytischen Dreischritt gefolgt werden:

  1. Vorausgegangene Ereignisse und Sichtweisen müssen zurückerzählend gedeutet werden;
  2. gegenwärtige Themen müssen analysiert werden;
  3. gewonnene Informationen müssen für zukünftiges Handeln (im Hinblick auf eine diagnostische Weiterverarbeitung) ausgelegt und geordnet werden.

Bei einer fallverstehenden Anamnese wird unterschieden zwischen

  • Fallerschliessung (Erhebung, Befragung, Sammlung, Beobachtung etc.),
  • Falldarstellung (Beschreibung, Dokumentation),
  • Fallanalyse (Deutungen aus Sicht der Klientel und aus professioneller Sicht).

Eine Anamnese stellt immer das gesamte Spektrum dessen dar, was in einem Fall steckt. Im zweiten Schritt wird auf zentrale Erkenntnisse fokussiert und im dritten Schritt müssen diese überprüft werden. Harro Dietrich Kähler spricht sich fürs Indizienparadigma aus und spricht bei der Anamnese von Induktion (Erhebung, Befragung und Beschreibung von Personeninformationen) und Abduktion (Identifizierung möglicher Ursachen für beschriebene Phänomene) (1991, S. 225). In der Tradition der RSA wird hierbei vom Fallverstehen gesprochen (Ader, 2006; Schrapper, 2004). Entsprechend wird in der RSA der ersten Begegnung zwischen Professionellen und Klientel an den offenen Gesprächsverfahren und der Gesprächs- und Interaktionsanalyse ein grosser Stellenwert beigemessen.

Diagnose – Fallbestimmung

In der Diagnose wird folgender Frage nachgegangen: In welchem Verhältnis stehen gesellschaftliche Rahmenbedingungen und individuelle Situationen im Hinblick auf darauf, was der zu bearbeitende Fall sein wird?
Ziel der Diagnose ist es, den Fall auf das Wesentliche und Prioritäre einzugrenzen und den institutionellen Kontext zu berücksichtigen, was in der Fallbearbeitung möglich wird oder nicht. Es geht darum, über Zuordnungen zu einer Entscheidung zu kommen, was weshalb und wie am Fall berücksichtigt werden wird oder nicht. RSA spricht dabei von Diagnostik, wenn es standardisierte Formen der Zuordnungen sind, die zu vermeiden sind. Stattdessen soll dies im Hinblick auf die Entwicklung in einer möglichst gemeinsamen Entscheidungsfindung von Professionelle und Klientel ausgehandelt werden. Es geht darum, im Spezifischen eines Falles das Generelle zu identifizieren und das wiederrum für die Eigenlogik des Falls nutzbar zu machen. In der Diagnose geht es also darum, das breite Spektrum der anamnestischen Deutungen einzugrenzen, allgemeinen Wissen zuzuordnen und einer Überprüfung zu unterziehen. Harro Dietrich Kähler spricht bei dieser Bewegung vom Einzelfall zum Allgemeinen und wieder zurück zum Einzelfall von Deduktion (Beschreibung möglicher Konsequenzen in Form von Hypothesen) und abermaliger Induktion (Kritische Überprüfung der Hypothesen) (1991: 225).
Was bereits in anamnestischen Deutungen zentral ist, kommt hier nochmals zum Tragen: Es muss konsequent zwischen subjektiver Sicht der Klientel (Selbstsicht) und dem Blick der Professionellen Sozialer Arbeit (Fremdsicht) unterschieden werden. Nur so kann die Bestimmung, was nun hier der Fall ist, und welche Ziele verfolgt werden sollen, tatsächlich ausgehandelt werden. Denn Ziel des dialogischen Vorgehens sollte es sein, dass die Klientel die anamnestischen Erkenntnisse und diagnostische Zuordnung verstehen kann sowie dass negative Verlaufskurven zu positiven Wandlungsprozessen werden können (Schütze 1995).

Intervention – Arbeitsbündnis

Im Rahmen der Intervention wird folgender Frage nachgegangen: Wie sollten Interaktionen und Kommunikation gestaltet werden, um einerseits die wesentlichen Informationen zu erhalten und andererseits eine tragfähige Hilfebeziehung aufzubauen? Da Dialog und Aushandlung bereits während der Anamnese und Diagnose zentral sind, erstaunt es nicht, dass auch bei der Intervention dem Arbeitsbündnis eine zentrale Bedeutung zukommt. Burkhard Müller (1991) schlägt dafür fünf Reflexionen (technische Effizienz und Klientenrechte garantieren, Grenzen und Möglichkeiten der Intervention klären, sich selbst reflexiv begrenzen sowie Vorbildfunktion für weitere Beziehungen haben) für ein gelingendes Arbeitsbündnis vor. Dabei geht es nicht nur um Lösungsorientierung einer Hilfeleistung (Ergebnisziele), sondern für Professionelle vor allem um die Beziehungs- und Kommunikationsgestaltung (Prozessziele). Kurzfristige Lösungen für die Klientel bereitzustellen, hat laut RSA keine nachhaltige Wirkung. Stattdessen sollte es um die Förderung und Unterstützung nachhaltiger Transformationsprozessen gehen. Dabei spielt die Motivationsarbeit im Hinblick auf ein ausgehandeltes und damit für alle Beteiligten minimal tragfähiges Arbeitsbündnis eine zentrale Rolle. Klassische Themen der Sozialen Arbeit wie Nähe und Distanz oder Vertrauen werden in der Tradition der RSA genauso eingehend betrachtet wie Humor, pädagogischer Eros und ähnliche, in anderen Theorielinien weniger bedachte Themen.

Evaluation – Wirkungsorientierung

In der Evaluation wird folgender Frage nachgegangen: Wie können Professionelle Sozialer Arbeit die Wirkung ihrer Handlungen einschätzen und fortlaufend reflektieren? Die RSA betont weder Fragen der Effizienz oder der Effektivität noch greift sie den Diskurs von Fremdevaluationen auf, sondern sie richtet den Fokus auf die systematische Selbstreflexion von Seiten der Sozialen Arbeit (Müller, 2006; Hüttemann, 2016). Sie ist systematisch mit der Selbstbeforschung der Sozialen Arbeit zu verknüpfen. Die RSA konzentriert sich auf die Frage, wie professionelles Handeln auf die Wandlungsprozesse der Klientel wirkt. Dabei wird dem Credo „What works“ nicht standardisiert gefolgt, sondern es werden mikroskopische Ausschnitte der Praxis (zum Beispiel ein Beratungsgespräch, eine Gruppendiskussion, eine Teamsitzung etc.) einer Tiefenanalyse unterzogen, um generelle Aspekte des professionellen Denkens und Tuns herauszubekommen. Dabei geht es darum, Kernthemen Sozialer Arbeit oder typischen Paradoxien professionellen Handelns auf die Spur zu kommen. Es wird davon ausgegangen, dass in einem Fall hunderte Fälle stecken. Somit ermöglicht die Beschäftigung mit konkreten Situationen allgemeine Erkenntnisse und Theorieentwicklungen, und zwar sowohl hinsichtlich der Selbstreflexion über die eigene Praxis, der Lebenswelten der Klientel als auch genereller Wissenserschliessung zum Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft. Ein solcher Zugang geht davon aus, dass Professionelle in gemeinsamen Forschungsprojekten eingebunden sind und Forschende in eigener Sache mit der Wissenschaft Wissen weiterentwickeln.


Grundprinzipien der Rekonstruktiven Sozialen Arbeit

Aufgrund der theoretischen Grundlagen, des Prozess- und Arbeitsbogens sowie der Forschungs- und Praxismethoden können zentrale Elemente der Rekonstruktiven Sozialen Arbeit zusammengefasst werden. Sie legt ihren Hauptfokus auf die Fallanalyse. Damit werden die (wieder spiralförmig ineinander wirkenden) Grundprinzipien der RSA besonders deutlich.

Rekonstruktion als fallspezifische Erkenntnisbildung – Prinzip der Reflexion über den Fall

Da die Akteurinnen und Akteure der Sozialen Arbeit mit gesellschaftlich produzierten Abwertungen, Vorurteilen, machtvollen Diskursen und möglicherweise auch mit verdinglichenden Diagnosen zu tun haben, wird es in der RSA als zentral erachtet, sich im Rahmen einer professionalisierten Herangehensweise über die Wege der eigenen oder institutionalisierten Wissensbildung im Klaren zu sein (Völter, 2015, S. 254) – gerade auch weil in Fallkonstruktionen der Sozialen Arbeit und in der Fallbearbeitung in multiprofessionellen Unterstützungssettings diese Zuschreibungen produziert oder verfestigt werden (ebd.). Deshalb ist es notwendig, sowohl in der Forschung, der beruflichen Praxis sowie der professionellen Selbstreflexion zu fragen, welches Wissen wir über das Handeln der Akteurinnen und Akteure haben und auf welchem Weg neue fallspezifische Erkenntnisse gewonnen und überprüft werden können. Dabei ist es wichtig, darüber zu reflektieren, auf welchem Weg diese Erkenntnis gewonnen worden ist und ob dieses Wissen fallspezifischen Bestand hat. Bei der RSA geht es darum, durch spezifische methodische Verfahren vorhandenes Wissen (auch das Wissen der Akteure und Akteurinnen) einzubeziehen und zugleich auch neue Erkenntnisse in einem offenen Verfahren zu bilden, das sich möglichst von Vorannahmen distanziert (Völter, 2015, S. 254). Dies wird über die Methodenwahl deutlich, indem Arbeitsweisen mit hoher Klientenpartizipation gewählt werden.

Prinzip der Befremdung von scheinbar Vertrautem

Die Erkenntnisbildung beruht auf einer möglichst offenen, empirisch fundierten Herangehensweise an jedes soziale Phänomen. Um sich von Vorurteilen, Besserwisserei, weltfremdem Expertentum oder unproduktivem „Mehr-Desselben“ zu befreien, wird versucht, sich von scheinbar Vertrautem zu be-fremden, um durch fallrekonstruktive Verfahren das die Spezifik des Falls immer wieder neu zu erschliessen. Diese Befremdung ermöglicht einen „Anfängergeist“ (das heisst alles, was einem begegnet, so zu betrachten, als sei es das erste Mal), schützt vor routiniertem, erschöpfenden, stereotypisierenden, frustrierenden oder gar zynischen Haltungen (Völter, 2015, S. 255). Dies wird vor allem mithilfe von Videoaufnahmen, ethnografischer Protokolle in Beobachtungsformulierungen oder über Transkriptionen erreicht.

Prinzip der Rekonstruktion sozialer Phänomene

Um sich von vorschnellen Diagnosen, Einschätzungen und Kategorisierungen zu lösen, sollen soziale Phänomene rekonstruiert werden. Die Rekonstruktion basiert auf der Voraussetzung, dass soziales (menschliches) Handeln konstruiert und durch Prozesse strukturiert ist. Bei der Rekonstruktion geht es darum, diese Prozesse zu analysieren respektive zu re-konstruieren. Dieses Handeln ist zudem in Handlungssituationen eingebettet, die in der Regel interaktiv strukturiert sind. Wenn mindestens zwei Menschen beteiligt sind, gilt es, diese Interaktionen beispielsweise durch eine Interaktionsanalyse zu rekonstruieren. Grundsätzlich findet jedoch jedes menschliche Handeln im Rahmen sozialer Bezüge und Kontexte statt, die einbezogen werden müssen, um die Struktur des Handelns zu rekonstruieren. Das Ziel ist es, die innere Logik der Akteure und Akteurinnen nachzuvollziehen und damit zu verstehen, aber nicht parteilich Handlungen gutzuheissen oder mitzufühlen (Völter, 2015, S. 255–256).

Prinzip der Sequenzierung

Bei diesem Prinzip geht es darum, die einzelnen Daten chronologisch zu betrachten und in den Gesamtzusammenhang zu stellen. Dies bedeutet beispielsweise, biografische Daten im Zusammenhang mit der gesamten Lebensgeschichte zu rekonstruieren oder eine einzelne Interaktion in den Zusammenhang des gesamten Gespräches und des Kontextes zu setzen, um damit die Sinnzusammenhänge im Verlauf der Handlungen zu rekonstruieren. Dazu werden die einzelnen Sequenzen im jeweiligen Handlungsablauf folgend rekonstruiert. Dazu werden zu der Bedeutung jeder einzelnen Sequenz Lesarten respektive Hypothesen gebildet (Völter, 2015, S. 257).


Wissenschafts- und erkenntnistheoretische Traditionslinien der RSA

Traditionslinien der Sozialen Arbeit

Die erste Traditionslinie für die Ausgestaltung der Rekonstruktiven Sozialen Arbeit in Theorie und Praxis wurde von den Pionierinnen der Sozialen Arbeit gezogen. So trugen Mary Richmond, Jane Addams und Alice Salomon zur Systematisierung der Handlungsmethoden bei, indem sie Bezüge zu Klassikern der Philosophie, Soziologie und der empirischen Sozialforschung herstellten und so einen methodischen Verbindungszusammenhang zwischen Theorie und Praxis herstellten. Diese Traditionslinie wurde nach dem Nationalsozialismus durch Klaus Mollenhauer, Hans Thiersch sowie Burkard Müller als Demokratisierung der Lebensverhältnisse wieder aufgenommen (Kraimer, 2014, S. 22).

Traditionslinie der Hermeneutik

Die hermeneutische Tradition, die in der Antike begonnen hat und heute beispielsweise in der Methodologie der objektiven Hermeneutik weiterentwickelt wird, bildet eine zentrale Referenz für die RSA (Kraimer, 2014, S. 28). Das hermeneutische Vorgehen zeichnet sich durch die Gebundenheit der Methode an den Text aus (ebd.). Die Texte dienen dabei als Repräsentanten eines sozialen Erfahrungsgehaltes, der durch ein methodisches Verfahren entziffert wird. Der Soziologe und Sozialpsychologe Ulrich Oevermann hat eine hermeneutische Forschungsmethode entwickelt, die sogenannte objektive Hermeneutik. Dieses Forschungsprogramm beansprucht, objektive Sinnstrukturen mit Blick auf die Textförmigkeit der sozialen Wirklichkeit aufzudecken. Dabei geht es laut Oevermann darum, die „hinter den Erscheinungen operierenden Gesetzmässigkeiten ans Licht zu bringen“ (zitiert nach Kraimer, 2014, S. 35).

Traditionslinie des interpretativen Paradigmas (Chicagoer Schule)

Gemäss Kraimer (2014, S. 37) beruht die Entwicklung der Sozialen Arbeit als Disziplin auf den Erkenntnissen des „symbolischen Interaktionismus“ (nach Blumer 2004) und dem sogenannten „interpretativen Paradigma“ (nach Wilson, 1973) und wird in der Theorielinie der RSA bis dato realisiert. Dabei wird betont, dass soziale Handlungen interpretationsbedürftig sind – was mit der Philosophie von Charles Sanders Peirce und William James begründet wird. Zudem fliessen Denktraditionen aus der deutschen Phänomenologie, beispielsweise von Edmund Husserl und Alfred Schütz, ein, die das Verstehen des „Typischen“ begründen. Den daraus entstandenen Ansätzen ist die Ablehnung naturwissenschaftlicher Gegenstands- und Methodenbestimmungen gemeinsam. Anstelle dieses sogenannten „normativen Paradigmas“ stellen die durch Sinnerzeugung und Sinndeutung erzeugten Konstitutionen des menschlichen Wissens und die Nichtberechenbarkeit des menschlichen Handelns die Grundlage zur Erschliessung sozialen Handelns dar.


Übersicht – aktuelle Vertreterinnen und Vertreter der RSA

Die Protagonistinnen und Protagonisten haben sich im deutschsprachigen Raum in einem „Netzwerk für Rekonstruktive Soziale Arbeit – zur Entwicklung von Forschung, Lehre und beruflicher Praxis“ zusammengeschlossen. Dieses Netzwerk unterhält eine Website, organisiert jährlich eine thematische Tagung sowie einen Methodenworkshop und gibt die Buchreihe „Rekonstruktive Forschung für Soziale Arbeit“ heraus, die von Wolfram Fischer, Cornelia Giebeler, Martina Goblirsch, Ingrid Miethe und Gerhard Riemann editiert wird und beim Barbara Budrich Verlag erscheint (aktuell über 20 Büchern, darunter ein Wörterbuch zur RSA). Im Folgenden werden zentrale Exponentinnen und Exponenten aufgeführt.

Grundlagen

Erving Goffman
Dienstleistungsideal, Situationen als Herstellung sozialer Wirklichkeit, Rolleneinahmen, Kommunikationsprozesse, zum Beispiel bei Stigmatisierungsprozessen, Wirkung totaler Institutionen

Ulrich Oevermann
Objektive Hermeneutik, Fallrekonstruktionen, stellvertretende Krisenbewältigung

Fritz Schütze
Rekonstruktive Fallanalysen, narratives Interview, Verlaufskurven, Arbeits-/Prozessbogen, Narrations- und Prozessanalyse, Paradoxien professionellen Handelns

Rekonstruktive Soziale Arbeit

Gisela Jakob & Hansjürgen von Wensierski
Grundlagen

Klaus Kraimer
Fallrekonstruktive Soziale Arbeit (siehe Literaturliste)

Ingrid Miethe
Einführungstext in die RSA, Sozialarbeitsforschung

Bettina Völter
Rekonstruktive Soziale Arbeit, professionelle Praxis und Selbstreflexion, ethnografische Kompetenz

Sozialarbeitsforschung

Burkhard Müller
Arbeitsbündnis, professionelles Handeln, Selbstreflexion

Regina Rätz
Kinder- und Jugendarbeit, Kindesschutz, Professionelle Praxis

Ute Reichmann
Praxisorientierte Weiterentwicklung Rekonstruktiver Sozialer Arbeit

Gerhard Riemann
Selbstreflexive Praxisethnografien, Analysen professionellen Handelns

Heidrun Schulze
Narrative Beratung, Supervision und Intervision

Nina Wyssen-Kaufmann
Anamnese in der Sozialen Arbeit, rekonstruktive Wissensbildung, Beratung, Gesprächsanalyse

Biografieforschung Klientel Sozialer Arbeit

Bettina Dausien
Biografie- und Sozialarbeit, Ethnografie, Gender

Michaela Köttig
Biografieforschung, Anwendung Bereich Jugendarbeit

Regina Rätz
Professionelle Praxis der RSA

Gerhard Riemann
Biografieforschung Migration, Psychiatrie

Gabriele Rosenthal
Biografieforschung


Literatur – Links

Grundlagen- und Übersichtswerke zur RSA

Gildemeister, Regine & Robert, Günther. (1997). „Ich geh da von einem bestimmten Fall aus …,“ – Professionalisierung und Fallbezug in der Sozialen Arbeit. In Gisela Jakob & Hans-Jürgen von Wensierski (Hrsg.), Rekonstruktive Sozialpädagogik: Konzepte und Methoden sozialpädagogischen Verstehens in Forschung und Praxis (S. 23–38). Weinheim/München: Juventa.

Goffman, Erving. (2016). Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag (16. Aufl.) München/Berlin/Zürich: Piper.

Goffman, Erving. (1980). Rahmen-Analyse. Ein Versuch über die die Organisation von Alltagserfahrungen. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Jakob, Gisela & Wensierski, Hans-Jürgen von. (Hrsg.). (1997). Rekonstruktive Sozialpädagogik: Konzepte und Methoden sozialpädagogischen Verstehens in Forschung und Praxis. Juventa: Edition Soziale Arbeit.

Kraimer, Klaus. (2014). Fallrekonstruktive Soziale Arbeit, Ansätze, Methoden, Optionen, Einführung mit Glossar und Bibliografie. Ibbenbühren: Münstermann Verlag.

Miethe, Ingrid, Fischer, Wolfram, Giebeler, Cornelia, Goblirsch, Martina & Riemann, Gerhard. (Hrsg.). (2007). Rekonstruktion und Intervention Interdisziplinäre Beiträge zur Rekonstruktiven Sozialarbeitsforschung. Opladen/Berlin/Toronto: Barbara Budrich.

Rätz, Regina & Völter, Bettina. (Hrsg.). (2015). Wörterbuch Rekonstruktive Soziale Arbeit, Rekonstruktive Forschung in der Sozialen Arbeit. Opladen/Berlin/Toronto: Verlag Barbara Budrich.

Schütze, Fritz. (2006). Verlaufskurven des Erleidens als Forschungsgegenstand der interpretativen Soziologie. In Hans-Heinz Krüger & Werner Marotzki (Hrsg.), Handbuch erziehungswissenschaftliche Biographieforschung (2. überarb. und aktualisierte Aufl.). (S. 205-237). Wiesbaden.

Schütze, Fritz. (2000). Schwierigkeiten bei der Arbeit und Paradoxien des professionellen Handelns. Ein grundlagentheoretischer Aufriss. In ZBBS, H. 1, 49–96.

Völter, Bettina & Reichmann, Ute. (Hrsg). (2017). Rekonstruktiv denken und handeln, Rekonstruktive Soziale Arbeit als professionelle Praxis. Opladen/Berlin/Toronto: Barbara Budrich.

Auswahl Literatur zentraler Vertreterinnen und Vertreter

Ader, Sabine. (2006). Was leitet den Blick? Weinheim/München: Juventa.

Bock, Karin & Miethe, Ingrid. (Hrsg.). (2010). Handbuch Qualitative Methoden in der Sozialen Arbeit. Opladen/Berlin/Toronto: Barbara Budrich.

Deppermann, Arnulf. (2008). Gespräche analysieren. Eine Einführung (4. Aufl.). Wiesbaden: Verlag.

Fischer, Wolfram. (2007). Fallrekonstruktion und Intervention. In Cornelia Giebeler, Wolfram Firscher, Martina Goblirsch & Gerhard Riemann (Hrsg.), Fallverstehen und Fallstudien. Interdisziplinäre Beiträge zur rekonstruktiven Sozialarbeitsforschung (S. 23–34). Opladen/ Farmington Hills.

Goebel-Krayer, Elisabeth & Schulze, Heidrun. (2017). Rekonstruktion und Neu-Konstruktion in der Narrativen Supervision und Narrativen Intervision. In Bettina Völter, Julia Franz & Ute Reichmann (Hrsg.), Rekonstruktiv denken und handeln. Rekonstruktive Soziale Arbeit als professionelle Praxis (S. 183–202). Opladen/Berlin/Toronto: Barbara Budrich.

Hüttemann, Matthias. (2011). Effekthascherei oder wirklicher Fortschritt? Ein Kommentar zur Wirkungsforschung in Forschung und Praxis der Sozialen Arbeit. In Natalie Eppler, Ingrid Miethe & Armin Schneider (Hrsg.), Qualitative und quantitative Wirkungsforschung (S. 53–67). Opladen/Berlin/Farmington Hill: Barbara Budrich.

Kallmeier, Werner. (2000). Beraten und Betreuen. Zur gesprächsanalytischen Untersuchung von helfenden Interaktionen. In ZBBS, H. 2, 227–252.

Kähler, Harro Dietrich. (1987). Anamneseerhebungen in Erstgesprächen der Sozialarbeit. Sherlock Holmes als Anreger?. In Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit. 18. Jg., H. 4, 249–272.

Klüsche, Wilhelm. (Hrsg.). (1999). Ein Stück weiter gedacht … Beiträge zu Theorie- und Wissenschaftsentwicklung der Sozialen Arbeit (S. 36–51). Freiburg im Breisgau: Lambertus.

Köttig, Michaela & Rätz, Regina. (2017). Rekonstruktive Fallbearbeitung in der Kinder- und Jugendhilfe. Dialogische Biografiearbeit in institutionellen Kontexten. In Bettina Völter & Ute Reichmann (Hrsg.), Rekonstruktiv denken und handeln. Rekonstruktive Soziale Arbeit als professionelle Praxis (S. 95–109). Opladen/Berlin/Toronto: Barbara Budrich.

Miethe, Ingrid, Fischer, Wolfram, Giebeler, Cornelia, Goblirsch, Martina & Riemann, Gerhard. (Hrsg.). (2007). Rekonstruktion und Intervention. Interdisziplinäre Beiträge zur rekonstruktiven Sozialarbeitsforschung. Opladen/Berlin/Toronto: Barbara Budrich.

Müller, Burkhard. (1991). Die Last der grossen Hoffnungen. Weinheim: Juventa.

Müller, Burkhard. (2006). Sozialpädagogisches Können. Ein Lehrbuch zur multiperspektiven Fallarbeit. Freiburg im Breisgau: Lambertus.

Rätz, Regina. (2012). Gelingende Jugendhilfe oder: Wie sich Praxis erforschen lässt! In Silke Gahleitner, Björn Kraus & Rudolf Schmitt (Hrsg.), Über Soziale Arbeit und über Soziale Arbeit hinaus. Ein Blick auf zwei Jahrzehnte Wissenschaftsentwicklung, Forschung und Promotionsförderung (S. 167–185). Lage: Jacobs Verlag.

Riemann, Gerhard. (2000). Die Arbeit in der sozialpädagogischen Familienberatung. Interaktionsprozesse in einem Handlungsfeld der sozialen Arbeit. Weinheim: Juventa.

Schrapper, Vorname (2004). (Hrsg.). Sozialpädagogische Diagnostik und Fallverstehen in der Jugendhilfe. Anforderungen, Konzepte, Perspektiven. Weinheim/München: Juventa.

Schulze, Heidrun & Witek, Kathrin. (2017). Rekonstruktiv denken und handeln als Herausforderung für eine kinderrechtsorientierte Praxis der Beteiligung im Kinderschutz. In Bettina Völter, Julia Franz & Ute Reichmann (Hrsg.), Rekonstruktiv denken und handeln. Rekonstruktive Soziale Arbeit als professionelle Praxis (S. 251–268). Opladen/Berlin/Toronto: Barbara Budrich.

Schulze, Heidrun (2017). Kultur und Krankheit oder Biografie(n) und Gesellschaft(en)? Sozialwissenschaftliche Biografieforschung als Beitrag für die sozialpsychiatrische Praxis. In Sozialpsychiatrische Informationen, 47(2), 49–55.

Schulze, Heidrun, Höblich, Davina, Mayer, Marion. (Hrsg.). (2018). Macht – Diversität – Ethik in der Beratung. Wie Beratung Gesellschaft macht. Opladen/Berlin/Toronto: Barbara Budrich.

Wensierski, Hansjürgen von & Jakob, Gisela. (Hrsg.). Rekonstruktive Sozialpädagogik. Konzepte und Methoden sozialpädagogischen Verstehens in Forschung und Praxis. Weinheim/München: Juventa.

Wyssen-Kaufmann, Nina. (2015). Bedeutung der Anamnese in der Sozialen Arbeit – von einer Fallstudie in der Psychiatrie zum heuristischen Modell. Opladen/Berlin/Toronto: Barbara Budrich.

Ausgewählte Links

Buchreihe Rekonstruktive Forschung in der Sozialen Arbeit: https://shop.budrich-academic.de/produkt/rekonstruktive-forschung-in-der-sozialen-arbeit/?v=1ee0bf89c5d1

Fallarchiv. (n.d.). Titel [Clip]. Abgerufen von Lehrvideo Objektive Hermeneutik: http://www.fallarchiv.uni-kassel.de/lernumgebung/lehrfilm/

Fallarchiv. (n.d.). Literatur Fallarbeit. Abgerufen von http://www.fallarchiv.uni-kassel.de/literatur/literatur-zu-fallarbeit/

Qualitative Social Research (FQS). (Jahr). Literatur zur Rekonstruktiven Sozialforschung. Abgerufen von http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/issue/archive

Internet-Lexikon der Methoden der empirischen Sozialforschung – ILMES. (Jahr). Abgerufen von http://wlm.userweb.mwn.de/Ilmes/ilm_r13.htm

Netzwerk für Rekonstruktive Soziale Arbeit (NWRSA). (Jahr). Abgerufen von http://www.nwrsa.de

Köttig, Michaela & Völter, Bettina. (Jahr). „Das ist Soziologe sein!“ – Ein narratives Interview mit Fritz Schütze zur Geschichte seines Werkes in der Soziologie [PDF]. Abgerufen von http://www.nwrsa.de/wp-content/uploads/Schuetze-Interview_1_2017.pdf

Wyssen-Kaufmann, Nina – Literaturliste: https://www.bfh.ch/de/ueber-die-bfh/personen/hijfmatkfk6k/

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